Zusammenfassung des Expertenforums „Weltreise, Backpacking und günstiges Reisen“

Das zweite stipnetz-Expertenforum fand Ende Februar 2016 statt und widmete sich einer der Lieblingsaktivitäten von vielen Leuten: dem Reisen. Die 10 Experten, die selbst alle stipnetz-Mitglieder sind, beantworteten eine Woche lang alle Fragen und teilten ihre besten Tipps. Insgesamt gab es dabei mehr als 130 Beiträge.

Die Experten konnten auf mehrere Jahre Reiseerfahrung in 110+ Ländern auf allen Kontinenten zurückgreifen. Zu den ungewöhnlicheren Reisezielen zählten dabei Orte wie Madagaskar, Ruanda, Moldawien, Iran, Nepal, Laos und die Cook Islands im Südpazifik. Fünf Experten waren zudem auf mehrmonatigen Weltreisen.

Hier eine Zusammenfassung der wertvollsten Tipps – nach Thema geordnet:

Error Fares finden

Da die Basispreise für Flugtickets noch immer manuell berechnet und eingegeben werden, geschehen hier gelegentlich Fehler. Oft fällt der Fehler innerhalb von Stunden auf und der Preis wird korrigiert, aber wer in der kurzen Zeit davor bucht, kann sich über äußerst günstige Preise freuen, wie z.B. ein Hin- und Rückflug nach Tokyo für 196 Euro.

Der Haken ist, dass Error Fares einige Flexibilität hinsichtlich Reisedatum, Reiseziel und Abflugsort erfordern. Sie sind also nur zu empfehlen, wenn man diese Flexibilität mitbringt. Error Fares findet man mit etwas Glück und mithilfe von Reise-Communities, wie z.B. dem WhatsApp-Alarm von Urlaubspiraten.

Günstige Flüge buchen

Für Langstreckenfluege ab Deutschland oszillieren die Preise in der Regel bis ca. 10 Wochen vor Abflug knapp unter dem Durchschnittspreis für diese Strecke. In diesem Zeitraum findet man also häufig vernünftige Preise. Generell ist es günstiger unter der Woche zu fliegen und nicht unbedingt zu Randzeiten, wo viele Business-Reisende unterwegs sind. Manchmal sind aber besonders frühe oder besonders späte Flüge auch besonders günstig. Preismeldungen wie z.B. bei Skyscanner helfen die Preise im Blick zu behalten.

Weltreise-Flugtickets

Mehrere Experten waren bei der Buchung ihrer Round-the-World-Tickets mit STA Travel sehr zufrieden. Die Agentur kann sowohl zu Studentenpreisen einzelne Flüge von Ort zu Ort buchen, die dann einem RTW-Ticket entsprechen. Zum anderen kennt sich STA Travel auch mit der Buchung von speziellen Weltreise-Flugtickets von Luftfahrtallianzen aus.

Jede Luftfahrtallianz (Star Alliance, SkyTeam, Oneworld etc.) hat in der Regel ein eigenes RTW-Ticket. Die Wahl des jeweiligen Allianz-RTW-Tickets hängt dabei in erster Linie davon ab, welche Kontinente und Regionen man bereisen möchte, da die Allianzen weltweit unterschiedlich stark vertreten sind. Ein Experte empfiehlt außerdem das Londoner Reisebüro Round the World Flights sowie das Great Escapade-Ticket von Singapore Airlines, Air New Zealand und Virgin Atlantic.

Alleine Reisen als Frau

Die vier Expertinnen empfanden das Reisen auf eigene Faust als sehr bereichernd und können nur empfehlen es zumindest mal zu versuchen. Zwei Seiten, die für alleinreisende Frauen besonders hilfreich sind, sind Pink Compass oder auch Planet Backpack.

Hier noch ein Auszug aus der Antwort einer Expertin zu diesem Thema:

„Ich kann dir auf jeden Fall nur dazu raten, alleine los zu reisen. Das heißt nicht, dass du dich die ganze Zeit allein durchschlagen musst und dabei würde man auch viele tolle Erfahrungen verpassen, denke ich. Vielleicht ist es am angenehmsten für dich, in einer Region mit guter touristischer Infrastruktur anzufangen und in Hostels zu übernachten, in denen du auf viele andere Reisende triffst. Dann ergeben sich immer Möglichkeiten, sich einer Gruppe anzuschließen oder mit einer anderen allein reisenden Person zusammen Ausflüge zu machen. So kannst du dich „herantasten“ und baust das Vertrauen in dich selbst und die Umgebung auf, um dich immer mehr aus der berühmt-berüchtigten „comfort zone“ herauszubewegen.

Nach dieser positiven Vorrede fände ich es aber auch unverantwortlich dir nicht zu sagen: Hör auf dein Bauchgefühl. Ja, es gibt Situationen, in denen man als allein reisende Frau auf mehr Dinge achten muss. Es gibt Situationen, in denen man sich unwohl fühlt und es hat nichts damit zu tun, besonders reiseerfahren zu sein, das einfach zu ignorieren. Tausch dich mit anderen allein reisenden Frauen oder Frauengruppen aus, auf die du triffst (viele dieser Situationen sind für Männer einfach „unsichtbar“). Das hilft, den eigenen Blick zu überprüfen, ggf. zu relativieren oder aber sich zu vergewissern dass man sich das wirklich nicht einbildet.

Zum Freiraum und der Flexibilität, die man sich geben sollte: Nimm dir so viel wie du dir wünschst, vielleicht ein bisschen mehr – Reisen ist kein Leistungssport und du musst deine Reise mit keiner anderen vergleichen. Lass dir vor allem den Freiraum, dich zu entwickeln.“

Arbeiten auf Reisen

Es gibt viele Möglichkeiten unterwegs die Reisekasse aufzubessern. Einige Seiten, die die Experten empfehlen, sind z.B. Legal Nomads, DNX Jobs und Workaway. Ansonsten bieten manchmal Hostels die Möglichkeit kostenlos zu wohnen, wenn man etwas länger bleibt und mitarbeitet. Schließlich gibt es in Ländern wie Australien und Neuseeland Working Holiday Visa, mit denen man recht unkompliziert vor Ort eine Reihe von Jobs annehmen kann.

Reisen per Anhalter

Mehrere Experten reisen besonders gerne per Anhalter. Erste Anlaufstellen sind Seiten wie Hitchbase, Hitchwiki oder dieser Blog-Post.

“Du lernst unglaublich unterschiedliche Menschen kennen, die normalerweise auch recht offen sind (sonst hätte sie dich nicht mitgenommen – es gibt auch die komischen, die dann während einer Zweistundenfahrt gar nichts mehr sagen, aber dann kannst du auch entspannen). Die Geschwindigkeit lässt sich schlecht abschätzen. Manchmal bist du schneller, als wenn du selbst gefahren wärst, manchmal wartest du ewig an einer Raststätte, weil du in eine exotische Richtung willst oder es schon so spät ist. Das kann nervenaufreibend sein, am Schluss hat es sich dann doch immer gelohnt. Entweder weil ein Autohändler anhält und dich sein zweites Auto vom Anhänger fahren lässt oder weil dich am frühen morgen eine Punkband auf ihrem Weg nach England mitnimmt.“

Schließlich noch einige mehr oder weniger geheime Tipps für Reiseziele – alle im O-Ton der Experten:

“Der Ort, an dem ich das Meer lieben gelernt habe, ist Eyrarbakki in Island. Hinter dir ist die unendliche Weite der Landschaft an der Südküste und vor dir das Meer mit keinem Stück Land bis an die Antarktis. Es ist nicht unbedingt einsam und abgelegen für isländische Verhältnisse, aber ich zumindest habe immer das Gefühl, man spürt die Weite und wie unbedeutend der eigene Platz auf der Erdkugel ist.”

“Papua-Neuguinea: Ungewöhnliche Erlebnisse… Highlands: Besteigung des Mount Hagen (ca. 4000 m) auf neuer Route (Wegbahnung mit Buschmessern), Essen von mit der Steinschleuder getöteten Vögeln und Fröschen, Baden im saukalten Fluss und Übernachtung in einer in ein paar Stunden gebauten Hütte. Danach tagelang Muskelkater. Küste: Leben im Dorf ohne Strom, Fischen mit den einheimischen Jungs: Fische werden aufgescheucht und in Netze gejagt, danach muss man abtauchen und sie in den Nacken beißen, damit sie sterben (in diesem Wettbewerb verliert der weiße Junge immer ;)). Danach Feuer am Strand und in Kokosnussfett braten. Mmmmmh :)”

“Mein absoluter indischer Lieblingsort ist „Varanasi“ – diese heilige Stadt ist wirklich etwas ganz besonderes; es gibt an allen Ecken und Enden etwas zu entdecken, und man ist besonders dem Leben, und damit auch dem Tod, näher als irgendwo sonst in der Welt (persönliche Einschätzung meinerseits). Varanasi liegt nicht auf „typischen“ Reiserouten, ich würde dir aber definitiv raten, es einzuplanen und ein paar Tage dort zu verweilen.”

“In der Türkei ist sicherlich die Schwarzmeerküste von Amasra nach Sinop ein eher unbekanntes Highlight, vor allem wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid.”

“Fidschi, eine Inselgruppe im Südpazifik, hat einige der schönsten Strände, die ich in meinem Leben gesehen habe und ist traumhaft zum Schnorcheln. Besonders gut haben mir die Yasawa Islands (eine Inselgruppe zugehörig zu den Fidschis) gefallen. Je nachdem auf welche Insel man fährt, kann man die Kultur näher kennenlernen, an verlassenen Stränden spazieren oder Partys feiern. Ich habe noch nirgends ein so freundliches Volk getroffen wie auf Fidschi. Es geht doch nichts über ein herzliches Lachen und natürliche Freundlichkeit.”

“In Peru hat mir besonders die Wüste Huacachina, Arequipa und der Salkantay Trek nach Machu Picchu gefallen. Der Titicacasee liegt meist eh auf dem Weg, aber ist auch echt schön. In Bolivien sind auf jeden Fall die Salzwüste (Salar de Uyuni) und der Urwald in Rurrenabaque sehr sehenswert. Wir sind immer mit öffentlichen Fernreisebussen gereist und das hat such super geklappt.”

“Ich bin ein großer Fan von Kapstadt, für mich einer der schönsten Städte auf der Welt. Der Tafelberg, der 1km hoch ist (!), steht einfach mal mitten in der Stadt, die direkt am Südatlantik liegt. Das Kap der guten Hoffnung liegt ein paar Minuten entfernt, es gibt tolle Strandpromenaden wie Wanderwege und die Landschaft in und um die Stadt herum ist einfach nur atemberaubend.“